Montag, 17. März 2008

Japan - Reisetag 1

Ein müder Blick aus dem Fenster des Flughafengebäudes lässt zum wiederholten Male den Airbus vor meinen Augen erscheinen. Schon in wenigen Minuten soll mich dieser Flieger in das ferne Japan bringen. Die Reise erscheint mir immer noch unwirklich, nachdem ich nun mehr als zehn Jahre auf diesen Moment gewartet habe.

In aller Herrgottsfrühe war ich heute aufgestanden, die Koffer bereits fertig gepackt. Rückblickend erscheint mir alles nur szenenhaft – muss an meinem Wachheitsgrad gelegen haben. Mein Freund der mich zum Bahnhof bringt, Frühstück im Zug, lärmende Kinder auf dem Weg in den Urlaub und dann endlich nach drei Stunden die lang ersehnte pünktliche Ankunft am Frankfurter Flughafen. Der Irrweg zum Terminal nahm diesmal neue Ausmaße an, als ich die langen Schlangen an den Fahrtreppen sah. Wer sich diesen Flughafen ausgedacht hatte, hatte jedenfalls nicht mit solchen Massen gerechnet. Mit dem Koffer in der Hand stolperte ich die Treppen hinunter und wieder herauf, bis ich endlich im großen Abflugbereich stand. Und wieder endlos lange Schlagen vor den Abfertigungsschaltern der Fluggesellschaft. Ätzend. Nicht einmal das herumstehende Bodenpersonal konnte vernünftig Auskunft geben, wo sich hier angestellt werden musste, um die Bordkarte zu erhalten und den immer schwerer werdenden Koffer loszuwerden. Nach einigem herum irren stellte ich mich genervt in die Schlange der Business Class. Danach ging alles ganz schnell und nun sitze ich hier und warte. Meine Lieblingsbeschäftigung für die nächsten zwölf Stunden. Eine Ewigkeit.

Vier Kinofilme und drei Mahlzeiten später landen wir am Flughafen in Osaka oder vielmehr auf einer extra für den Flughafen künstlich aufgeschütteten Insel in der Bucht von Osaka. Die Passkontrolle zieht sich hin – auch in Japan werden jetzt Augenscans und Fingerabdrücke genommen. Die japanischen Beamten können sich kaum auf Englisch verständlich, so dass sich Erklärungen an die ausländischen Besucher zu langen entnervenden Prozeduren ausweiten. Die Ungeduld wächst, doch endlich bin ich hindurch und kann erleichtert meinen noch vorhandenen Koffer entgegennehmen. Danach gilt es die Reisegruppe zu suchen. Im Ausgangsbereich ist keine Reiseleitung mit Schild zu sehen. Sehr seltsam. Immerhin bin ich während der Passkontrolle zufällig schon auf ein paar Reisemitglieder gestoßen und so machen wir uns zuerst gemeinsam auf die Suche nach einem Geldautomaten. Nachdem das erledigt ist, hat sich auch endlich unsere Reiseleitung eingefunden und erfasst bereits eifrig die Namen der Anwesenden Gruppenmitglieder. Ich lerne den Rest der Gruppe kennen, eine bunt-gemischte Truppe aus alleinreisenden Frauen, jungen Pärchen, älteren und ziemlich alten Ehepaaren und einem alleinreisenden Herrn. Sieht viel versprechend aus, auch wenn ich mal wieder das Küken der Gruppe bin.

Als alle versammelt sind, geht es mit einem Reisebus weiter nach Kyoto, unser Ausgangspunkt von Erkundungen für die kommenden vier Tage. Während wir uns im Bus näher kennen lernen und Reiseerfahrungen austauschen, ziehen an uns die Häuser von Osaka vorbei. Alles in allem recht grau und eintönig, flache Häuser dicht an dicht. Industrielle Fabriken, Lagerhäuser und Plattenbauten wechseln sich am Rand der Stadtautobahn ab. Vereinzelt hängen über den Balkons der Wohnbauten Bettdecken, in der Sonne ausgebreitet zum Lüften.

In der Ferne ist ein großes grünes Netz um einen elliptischen Bereich gespannt. Ein Golfübungsplatz unter vielen, wie uns erklärt wird. Golfen ist in Japan ein angesagter Sport für Büroangestellte, die sich dort in der Mittagspause oder nach der Arbeit die Zeit vertreiben. Da Platz in Japan teuer ist, wären richtige Golfplätze in der Stadt unbezahlbar teuer. Stattdessen werden diese „Stadien“ errichtet, in denen der einfache Japaner seinen Abschlag üben kann. Meist in zwei- bis drei Stockwerken stehen sie übereinander und schlagen wie wild auf die geschundenen Bälle ein. Die hohen Netze sollen die Anwohner vor möglichen Blindgängern eines allzu eifrigen Spielers bewahren.

Ich schaue aus dem Fenster und teste meine übrig gebliebenen Japanisch-Kenntnisse an vorbeiziehenden Werbeschildern. Die meisten kann ich entziffern, nur die vielen verschiedenen Kanji (Schriftzeichen, in ihrer ursprünglichen Form von den Chinesen übernommen) bereiten mir noch immer Probleme.

Unsere Einfahrt in Kyoto geschieht vollkommen unbemerkt. Der Übergang zwischen Osaka, den vielen Vorstädten und Kyoto ist fließend. Ein einziges großes Stadtgebiet, eines der größten menschlichen Ballungszentren Japans an der Pazifikküste. Übertroffen nur von dem Ballungsgebiet Tokyo.

Wieder ziehen Wohnhäuser, Geschäfte und nun auch Schreine an uns vorbei, bis der Bus plötzlich vor einem riesigen futuristischen Gebäude einbiegt und zum Stehen kommt. Der Hauptbahnhof Kyotos. Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs, mehrstöckiges Shopping-Zentrum, Sammlungspunkt zahlreicher Restaurants und nicht zuletzt fünf Sterne Hotel. Hier werden wir die nächsten Tage übernachten.

Der Aufbau und die Lage des Bahnhofskomplexes erweisen sich sehr schnell als äußerst nützlich, als sich herausstellt, dass im Untergeschoss ein Food Court auf all die Hungrigen wartet. Nur kurz nehmen wir uns Zeit für das Check-In, Frischmachen und Umziehen. Dann geht es weiter auf Erkundungstour in die Untiefen des Bahnhofsgebäudes. Überall wuseln unzählige Menschen herum, wie in einem stählernen Bienenkorb. Wir flüchten uns in den Untergrund und finden die untersten Etagen der Shopping-Meile. Etwas demotiviert durch die Preise schlendern wir eher mit einem oberflächlichen Blick an den vielen Läden vorbei, bis wir plötzlich vorm Eingang des Food Courts stehen. Zwei junge Damen im Kostüm stehen am Eingang und begrüßen jeden Besucher persönlich mit einem freundlichen Lächeln und einer Verbeugung. Die Auslagen der Theken sehen verdammt lecker aus, aber irgendetwas stimmt damit nicht. Ein näherer Blick bestätigt mir meinen Verdacht. Plastikreplikate! Egal ob Sushi, Nudelsuppe oder Fleischgericht, alles wurde naturgetreu als Plastik nachgebildet. Die Originale kommen beim Bezahlen zum Vorschein, schön verpackt natürlich.

Wir schlendern durch die Gänge, bestaunen das zum Teil fremde Essen und entscheiden uns schließlich für ein kleines Nudelsuppen-Restaurant. Die Suppe wählen aus dem Schaufenster – sehr praktisch diese Nachbildungen. Während wir noch direkt über die Theke hinweg den Köchen beim Werkeln zuschauen, kommen schon die Suppen. Riesige Schüsseln, von denen drei durchschnittliche deutsche Erwachsene satt werden würden. Ich schlucke meine Verwunderung herunter und beginne den Kampf gegen die Nudelsuppe. Nach zehn Minuten sieht der Teller nicht wesentlich leerer aus, dafür bin ich randvoll gefüllt mit leckerem Gemüse, Fleischbrühe und Nudeln. Enttäuscht muss ich kapitulieren und den noch immer vollen Teller an die Serviererin zurückgeben. Neben mir sitz eine Japanerin, die sich die gleiche Suppe bestellt hat und gerade ihren letzten Schluck herunter schlingt. Wie macht sie das nur ohne zu platzen?

Das Geheimnis der Japaner liegt in ihrer Ernährung. Da japanische Nahrungsmittel grundsätzlich deutlich ärmer an Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Zucker sind muss für eine Menge an Energie vergleichbar einer Portion deutscher Kartoffelsuppe mit Fleisch eine deutlich größere Menge an Nahrung konsumiert werden. So lernen die Japaner bereits im Kindesalter ihren Magen auf das Essen von großen Mengen zu trainieren, um ihren täglichen Energiebedarf zu decken. Leider hat diese Gewohnheit in den letzten Jahren in Japan zu einem negativen Trend geführt – der zunehmenden Verfettung der japanischen Jugend. Schon lange werden nicht mehr nur Reis, Suppe, Gemüse und Fisch genossen. Ausländische Nahrungsmittel, millionenfach importiert und verbreitet durch Ladenketten wie McDonalds oder Starbucks, mischen sich unter die alltägliche Ernährung. Man kann sich vorstellen, wie Japaner aussehen, wenn sie in der gleichen Menge energiereiche Hamburger konsumieren wie Nudelsuppen oder andere traditionelle japanische Gerichte.

Wir jedenfalls bummeln satt und zufrieden zurück in die Hotelhalle, wo bereits die Reiseleitung auf uns wartet. Der erste richtige Ausflug steht an. Unsere Ziele sind der Sanjusangen-dó, als auch der Kiyomizu-dera, beides buddhistische Tempel im Westen Kyotos.

Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir mit dem Bus zum Sanjusangen-dó. Der Name des Tempels bedeutet übersetzt 33 Klafter Halle, was auf den Baustil des Tempels hinweist. Dieser wird durch die Bauweise des Gebälks in 33 Bereiche eingeteilt, in denen die Kannon-Statuen in mehreren Reihen aufgestellt sind. Die Zahl 33 wurde dem Lotos Sutra entlehnt und steht ursprünglich für die 33 Erscheinungsformen des Avalokiteshvara im Lotos Sutra. Platt ausgedrückt, es ist eine Glückszahl die in der japanischen Geschichte dieser Religion eine bedeutende Rolle bei der Errichtung von Tempeln, Pilgerrouten, usw. eingenommen hat.

Gebaut zu Ehren der tausendarmigen Kannon, beherbergt die aus Holz errichtete Halle des Hauptgebäudes eine große Kannon-Statue begleitet von 1.001 unterschiedlich gestaltete, lebensgroße Kannon-Statuen. 28 Wächterfiguren beschützen die Statuen, wobei die Wächter dem indischen Buddhismus entlehnt sind und ursprünglich dort den Status von Gottheiten innehatten.

Kannon ist die im gesamten Mahayana Buddhismus bekannteste Bodhisattva (japanisch bosatsu) Figur. Bodhisattvas sind Mittlerfiguren, die ganz besonders daran interessiert sind, den Menschen und allen anderen fühlenden Wesen zur Erleuchtung zu verhelfen. Dafür verweigern sie sich selbst solange der Erleuchtung, bis alle Lebewesen die Erleuchtung erlangt haben. Kannon werden übermenschliche Fähigkeiten zugesprochen und die Gabe, mit allen Lebewesen kommunizieren zu können. Dargestellt wird diese Gabe durch viele kleinere Köpfe auf dem Hauptkopf, welche unterschiedliche Stimmungen und Ausdrücke zeigen. In der Mitte thront immer Buddha, als Vorbild für all diejenigen die Erleuchtung suchen.

Bewundernd schreiten wir an den Figuren vorbei, lauschen den Geschichten und schauen in die teils doch sehr schaurigen Gesichter der Wächter. Die Dunkelheit der Halle hält uns jedoch nicht lange gefangen. Im Ausgangsbereich erstehe ich noch einen Orakelspruch auf weißem japanischem Papier für 100Yen, der mir für die nahe Zukunft vor allem Glück in der Liebe und auf Arbeit vorhersagt. Na das ist doch mal schön zu hören. Neben dem Tempel findet sich eine Art Zaun, an den zahlreiche Orakelzettelchen geknüpft wurden. Diese Orakelsprüche haben etwas Negatives prophezeit. Um das Eintreten der schlechten Vorhersage zu verhindern, werden die Zettel hier den Göttern präsentiert, denen es überlassen bleibt das schlechte Schicksal doch noch zum Guten zu wenden. Positive Prophezeiungen werden mit nach Hause genommen und gehütet :)

Der Rest der Tempelanlage ist wie ein Garten angelegt. Die umgrenzende Mauer umfasst einen Wandelgang, ein Wäldchen aus Bonsai- und Bambusbäumen, ein Stückchen weiter steht ein mit Blumengestecken geschmücktes Grabmal, die große Tempelglocke mit eigener Überdachung, sowie ein Nebenschrein für die Fuchsgöttin Inari. Besonders gefällt mir die Reinigungsstelle neben dem Haupteingang des Tempels. Hier sollen sich alle Gläubigen ihre Hände säubern, bevor sie mit ihren Anliegen vor die Götter treten. Das Wasserbecken mit den Kellen zum Wasser schöpfen wird bewacht von einer Reihe Lätzchen tragender Jizo-Figuren. Jizos sind üblicherweise Wächter über ungeborene oder verstorbene Seelen. Was die wohl hier machen?

Doch es bleibt leider keine Zeit das herauszufinden. Schon geht es weiter zum nächsten Tempel, dem Kiyomizu-dera. Der Tempel liegt auf dem Westberg Kyotos, auf dem sich die meisten der über zweitausend städtischen Tempel und Schreine befinden. Umgeben wird der Tempelbezirk vom letzten Rest Altstadt, welche noch heute den traditionellen Charme Kyotos erhält. Der Kiyomizu-dera spiegelt in besonderer Weise die Religionsfreiheit Japans wieder, da der Tempel alle Gläubigen zur Ausübung ihrer Religion und Traditionen zur Verfügung steht.

Schwimmend in einer Menschenmasse vor allem japanischer Nationalität ziehen wir durch eine Einkaufsgasse in Richtung Tempel den Berg hinauf. Auf einem großen Platz vor der Tempelanlage kommen wir zum Stehen und bewundern die Architektur und landschaftliche Schönheit der Umgebung. Aus der Ferne dringen seltsame Geräusche an unsere Ohren und neugierig schieben wir uns an einer Gruppe japanischer Schüler vorbei weiter die Treppen zum Tempeleingang hinauf. Unter einem großen roten Tor bleiben wir stehen und beobachten das Schauspiel, welches sich uns darbietet. Auf einer benachbarten Treppe gegenüber schreitet eine Gruppe taoistischer Hornbläser vom Hauptschrein hinab, alle paar Schritte verweilend um in ihre Hörne zu stoßen und einen seltsamen Laut zu erzeugen, ähnlich einem Büffel in der Brunftzeit. Gefolgt werden die Hornbläser von einer Reihe Waffenträger mit Lanzen, die sich am Fuß der Treppe postieren und auf etwas zu warten scheinen. Wir werden derweil von unserer Reiseleitung weiter die Treppen hinauf gedrängt und so sehen wir, worauf alle so eifrig beim Schauspiel warten, einen Drachen. Mehrere Männer stützen diesen chinesischen Drachen von unten und lassen ihn lebendig werden – mitten am Tag.

Um das Hauptheiligtum ist es derweil leerer, so dass wir uns in Ruhe umschauen können. Eine Frauengruppe in Kimonos genießt den Schatten einer kleinen Pagode im Vorhof. Wir schlendern vorbei, bewundern die Kimonos und schießen ein paar Fotos, um die Situation festzuhalten. Im Eingang des Heiligtums finden wir Stelzen-Schuhe, Stab und Gehstock eines Mönches komplett aus Stahl. Allein die Schuhe wiegen über 20 kg. Das Geschenk einer Gläubigen an den damals stärksten Mönch des Tempels, der ihr aus einer Not geholfen hatte. Heute nur noch Ausstellungsstück und Objekt von Stärketests der Besucher.

Ein Stückchen weiter finden wir ein weiteres Reinigungsbecken. Beim Hände waschen fällt mein Blick auf eine Wand mit lauter hölzernen Täfelchen. Die Täfelchen sind allesamt beschrieben, einige auch mit Tierzeichnungen versehen. Eine ganze Wand voller Glückstafeln, auf denen Gläubige ihre Wünsche wie eine Art Wunschbrief den Göttern äußern können. Wird der Wunsch erfüllt, werden die Täfelchen bei nächster Gelegenheit durch die Priester verbrannt.

Umgerechnet aber eine recht teure Variante des Wünschens, wenn man den Preis von 10€ pro Täfelchen bedenkt. Da sind die Glücksanhänger ein Stück weiter des Weges für umgerechnet 0,65€ schon deutlich preiswerter zu haben. Noch einfacher geht die direkte Äußerung der Wünsche vor den Göttern, indem man Geld in eine hölzerne Truhe vor dem Heiligtum wirft, in die Hände klatscht und sein Gebet spricht. Oder man spendet Geld und trinkt etwas vom geheiligten Wasser, welches unterhalb des Hauptheiligtums aus dem Berg sprudelt. In Scharen stehen junge Schüler an der Quelle, die ihnen ewige Gesundheit verspricht und schlürfen gierig das Bergwasser. Gleich nebenan sitzen, geschützt vor den Strahlen der Sonne, die Alten im Teehaus und nippen versonnen an ihren Tees und Kaffees. Der Blick den Berg hinauf zeigt mir, welch riesige Konstruktion aus Holzpfählen notwendig ist, um den Tempel am Berg zu halten und einem stabilen Baugrund zu liefern. Mehr als 10 Stockwerke hoch ragt das Holzkonstrukt in die Höhe und schmiegt sich perfekt an den Berghang.

Nach diesen recht beeindruckenden religiösen Stätten widmen wir uns nun dem alltäglichen Leben in der Stadt. Gemütlich laufen wir durch die Gassen der Altstadt, schleckern Grün-Tee-Eis, bewundern Hofgärten von Teehäusern und Restaurants und schauen den Menschen bei ihrem ganz normalen Leben zu. In einem Moment biegt eine Rikscha mit zwei Maikos um die Ecke – Geishas in der Ausbildung – die gerade auf Einkaufstour durch die Stadt sind. Ihre weißen Gesichter leuchten unter dem Sonnenschutz geisterhaft hervor, ein krasser Gegensatz zu ihren bunten Kimonos. Auf einem kleinen Platz sehen wir drei Gebilde aus Blumen, knorrigen Wurzeln, Eisenstangen und Beton – eine moderne Variante des Ikebana (Blumensteckkunst) in überdimensional großer Form.

Erschrocken springe ich zur Seite, als plötzlich aus den Büschen eine vermummte Frau auftaucht. In der Hand einen Zeichenblock schreitet sie um einen Baum herum und malt eifrig, einen Hut tief in die Augen gezogen zum Schutz vor der Sonne, Mund und Nase verdeckt durch eine weiße Maske wie aus dem Krankenhaus. Allergie- und Erkältungszeit ist angesagt. Da sind Japaner etwas eigen in ihrem Verhalten. Zum Schutz ihrer Mitmenschen vor den Bazillen oder sich selbst vor den Pollen werden ohne große Scheu Masken getragen, die wir in unseren Breitengraden nur im Krankenhaus zu Gesicht bekommen. Die Maskenträger werden uns noch die ganze Reise begleiten.

Vorerst machen wir uns erstmal wieder auf zum Hotel, denn ein Umtrunk zum besseren Kennen lernen der Gruppenmitglieder wurde organisiert. Nahe dem Hotel gehen wir in eine schicke Bar mit Aussicht auf den Kyoto Tower. Natürlich gibt es Sake und japanisches Bier, damit wir uns gleich an die neue Kultur gewöhnen können. Leider nur etwas riskant, da wir seit mittags nichts Richtiges mehr in den Magen bekommen haben. So genügen mir denn schon ein paar Schälchen Sake, um mich in einen recht fröhlichen Schwebezustand zu versetzen. Jetzt wird es aber Zeit fürs Abendbrot! Und damit verabschiede ich mich für den heutigen Tag.

Die Fotos findet ihr hier.

Viele Grüße aus Japan,
eure Sarah :)

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